Stellungnahme der Studio Babelsberg AG zur Pressemitteilung des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V. „Millionen-Subventionen für erste deutsche Amazon-Serie“

24.03.2017

und zur Veröffentlichung „Das Schwarzbuch - Aktion Frühjahrsputz: 10 Mio. Euro für internationale Serien“

Der Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. kritisiert in seinen oben genannten aktuellen Veröffentlichungen die Förderpolitik der Bundesregierung. Dazu gibt der Vorstand der Studio Babelsberg AG folgende Stellungnahme bekannt:

Die Film- und Fernseh-Produktionsbranche in Deutschland ist einem immensen europäischen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Internationale aber auch deutsche Film- und Fernsehproduzenten entscheiden sich heutzutage für diejenigen Produktionsstandorte, wo sie die attraktivsten Anreizsysteme vorfinden. Insbesondere der europäische Standortwettbewerb hat sich in den vergangenen zwei Jahren drastisch verschärft und Deutschland hat den Anschluss verloren. Es ist daher wichtig, dass die Politik entsprechende Rahmenbedingen schafft, die Deutschland im europäischen Wettbewerb wieder auf Augenhöhe bringen. Diese Situation bezieht sich neben den Spielfilmproduktionen auch auf den Bereich der seriellen Formate, zu dem die vom Bund der Steuerzahler kritisierte Förderung der TV-Serie YOU ARE WANTED, produziert von der in Berlin und München ansässigen Produktionsfirma Pantaleon Films, durch den German Motion Picture Fund zählt.

Denn auch deutsche Serienproduktionen - die in ihrem Volumen und in der wirtschaftlichen Bedeutung oftmals Filme übertreffen und im Erfolgsfall längerfristige Investitionen tätigen - sehen sich diesem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Herstellung der Serie YOU ARE WANTED hat einen enormen wirtschaftlichen Beitrag geleistet. Ohne die entsprechenden Produktionsanreize des German Motion Picture Fund und des Medienboard Berlin-Brandenburg wäre die Serie eventuell – wie viele andere deutsche TV-Formate – in einem europäischen Nachbarland hergestellt worden, mit entsprechenden lokalen Produktionsausgaben und Steuereffekten. Die aus den Produktionen zu erwartenden Steuereinnahmen sind höher als die Standortanreize. Insofern werden die Steuerzahler der jeweiligen Länder entlastet und nicht belastet.

Anreizsysteme für Film- und Fernsehproduktionen, die deutschen und internationalen Produzenten ein hohes Maß an Planungssicherheit bieten, sind Investitionen in eine Zukunftsindustrie. Davon profitieren alle deutschen Filmschaffenden und der gesamte Produktionsstandort Deutschland wird nachhaltig gestärkt. Die positiven kulturellen und wirtschaftlichen Effekte sind gewaltig: Es werden Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen, es entstehen Innovationen im filmtechnischen Bereich – insbesondere in den digitalen Zukunftsfeldern, Talente werden gefördert, Städte und Regionen profitieren von Image- und Tourismuseffekten, Folgeinvestitionen werden ausgelöst, wichtiges Know-how wird transferiert und: Es entstehen überproportionale Steuereinnahmen! Je Euro direkter Bruttowertschöpfung, der aus den Kernaktivitäten der Filmwirtschaft resultiert, werden insgesamt 1,60 Euro an Wertschöpfung in der Volkswirtschaft realisiert.

Diese und weitere Effekte verdeutlicht unter anderem auch die im Februar dieses Jahres veröffentlichte Studie „Wirtschaftliche Bedeutung der Filmindustrie in Deutschland", die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beauftragt wurde:
http://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/bedeutung-filmindustrie.html

Für Studio Babelsberg ist die Kritik des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V. aufgrund dieser Argumente und nachhaltigen Effekte nicht nachvollziehbar.

Studio Babelsberg begrüßt darüber hinaus ausdrücklich den aktuellen Beschluss des Bundeskabinetts, die Produktionsanreize insgesamt zu erhöhen und damit den Produktionsstandort Deutschland zu stärken und bedankt sich insbesondere für das Engagement der Kulturstaatsministerin Monika Grütters.