Berlinale 2012: „Happy Birthday, Studio Babelsberg“

22.12.2011

Im Februar 2012 feiert das traditionsreiche Studio Babelsberg sein 100-jähriges Jubiläum. Das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt gilt nicht nur als Wiege des deutschen Films, sondern hat auch international die Entwicklung des Kinos vorangebracht. Mit der Sonderreihe „Happy Birthday, Studio Babelsberg“ gratuliert die Berlinale 2012 zum Geburtstag.
 
Als erste Produktion wurde im Februar 1912 Der Totentanz unter der Regie von Urban Gad mit dem damaligen Superstar Asta Nielsen in der Hauptrolle in Babelsberg gedreht. In den folgenden Jahren avancierten die neuen Studiohallen zum beliebten Drehort für deutsche und internationale Regisseure. 1921 von der UFA übernommen erlebten die Studios eine Hochphase, wurden aber ab 1933 zunehmend Produktionsort für Propagandafilme des Nationalsozialismus. Nach dem zweiten Weltkrieg lag das Studio in der sowjetischen Besatzungszone und gehörte ab 1949 zur DDR. 1946 wurde die DEFA gegründet, die bis 1990 rund 1500 Spiel- und Fernsehfilme in Babelsberg produzierte. Nach dem Mauerfall wurden die Studios privatisiert. 2004 übernahmen die heutigen Vorstände Carl Woebcken und Christoph Fisser das Studio Babelsberg.
 
Zu den zahlreichen renommierten Regisseuren, die in den Studios drehten, gehören Friedrich Wilhelm Murnau (Der letzte Mann, 1924), Fritz Lang (Die Nibelungen, 1924; Metropolis, 1927), Wolfgang Staudte (Die Mörder sind unter uns, 1946), Alfred Hitchcock (Die Prinzessin und der Geiger, 1924/25), Kurt Maetzig (Das Kaninchen bin ich, 1965), Konrad Wolf (Goya, 1971), Volker Schlöndorff, Roman Polanski (Der Pianist, 2002; Der Ghostwriter, Berlinale 2010), Stephen Daldry (Der Vorleser, 2008; Berlinale Wettbewerb 2009), Quentin Tarantino (Inglourious Basterds, 2009) und Roland Emmerich (Anonymus, 2011).
 
„Studio Babelsberg hat Filmgeschichte geschrieben und politisch als auch filmhistorisch turbulente 100 Jahre hinter sich. Nach wie vor wird das Studio international und national als Produktionsort hoch geschätzt. Die Berlinale gratuliert zum Geburtstag und freut sich auf viele weitere Babelsberg-Filme“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
 
Anlässlich des 100. Jubiläums des Filmstudios zeigen die 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin in der Sonderreihe „Happy Birthday, Studio Babelsberg“ zehn Filme - jeweils aus einem Studio-Jahrzehnt - und lassen die Geschichte des Studio Babelsberg noch einmal Revue passieren.
 
Die Filmfestspiele verleihen Studio Babelsberg zudem eine Berlinale Kamera. Mit der Berlinale Kamera zeichnen die Internationalen Filmfestspiele Berlin seit 1986 Filmpersönlichkeiten oder Institutionen aus, denen sie sich besonders verbunden fühlen und denen sie mit dieser Ehrung ihren Dank ausdrücken möchten. Die Berlinale Kamera wird seit 2004 von dem Düsseldorfer Goldschmiedekünstler Georg Hornemann gestiftet. Seit der Berlinale 2008 hat die Trophäe ein neues Design. Sie besteht aus 128 Einzelteilen und ist einer realen Kamera nachempfunden. Viele der Silber- und Titanteile vom Schwenkkopf bis zum Stativ sind beweglich und goldschmiedekunstfertig zusammengefügt.
 
Festivaldirektor Dieter Kosslick wird die Berlinale Kamera beim Festakt des Studio Babelsberg am 12. Februar 2012 in der Marlene Dietrich Halle überreichen.


Die Sonderreihe „Happy Birthday, Studio Babelsberg“ umfasst folgende Filme:

Der letzte Mann (1924)
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Mit Emil Jannings, Maly Delschaft, Max Hiller, Emilie Kurz, Hans Unterkircher
 
Der blaue Engel (1929/30)
Regie: Josef von Sternberg
Mit Marlene Dietrich, Emil Jannings, Hans Albers, Kurt Gerron, Rosa Valetti

Münchhausen (1943)
Regie: Josef von Báky
Mit Hans Albers, Wilhelm Bendow, Michael Bohnen, Hans Brausewetter

Die Mörder sind unter uns (1946)
Regie: Wolfgang Staudte
Mit E. W. Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen
 
Das Kaninchen bin ich (1965)
Regie: Kurt Maetzig
Mit Angelika Waller, Alfred Müller, Ilse Voigt, Wolfgang Winkler

Goya (1971)
Regie: Konrad Wolf
Mit Donatas Banionis, Olivera Katarina, Fred Düren, Tatjana Lolowa, Rolf Hoppe, Mieczyslaw Voit, Ernst Busch
 
Das Haus am Fluss (1985, Berlinale 1986)
Regie: Roland Gräf
Mit Katrin Saß, Manfred Gorr, Rolf Hoppe, Corinna Harfouch, Sylvester Groth

Sonnenallee (1999, Berlinale 2000)
Regie: Leander Haußmann
Mit Alexander Scheer, Alexander Beyer, Katharina Thalbach, Robert Stadlober, Detlev Buck, Henry Hübchen
 
Der Pianist (2002)
Regie: Roman Polanski
Mit Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Frank Finlay, Maureen Lipman, Emilia Fox
 
Der Vorleser (2008, Berlinale 2009)
Regie: Stephen Daldry
Mit Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes, Bruno Ganz, Hannah Herzsprung
 

Die Programmierung und die Spielorte werden ab 31. Januar auf www.berlinale.de veröffentlicht.
 
Das Sonderprogramm wird im Filmmuseum Potsdam wiederholt werden.